LXP in Kürze
Eine Learning Experience Platform (LXP) ist eine Lernsoftware, die Beschäftigten Kurse, Videos und Artikel aus vielen Quellen passend zu Rolle, Zielen und bisherigem Lernverhalten vorschlägt. In einem Learning Management System (LMS) weist dagegen die Personalabteilung Pflichtkurse zu und verwaltet sie. Für das Engagement ist die LXP ein Hebel unter mehreren: Nach dem Gallup Engagement Index 2025 sind nur 10 Prozent der Beschäftigten in Deutschland emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden, und diese Bindung prägt vor allem die Führung.
Eine Learning Experience Platform (LXP) bietet Ihren Mitarbeitern ein personalisiertes und interaktives Lernerlebnis. Die Plattform soll Fähigkeiten und Wissen erweitern und zugleich Motivation und Engagement stärken. Mit Engagement ist die emotionale Bindung an den Arbeitgeber gemeint, die das Beratungsunternehmen Gallup jedes Jahr für Deutschland misst.
Der Handlungsbedarf lässt sich beziffern. Im Gallup Engagement Index 2025 zeigen 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe, 77 Prozent eine geringe und 13 Prozent keine emotionale Bindung. Den Schaden durch innere Kündigung schätzt Gallup für 2025 auf mindestens 119 Milliarden Euro. Gleichzeitig bilden 93 Prozent der Unternehmen ihre Beschäftigten weiter, wie die IW-Weiterbildungserhebung 2023 für das Jahr 2022 ermittelt hat.
Lernangebote gibt es also fast überall. Eine LXP macht dieses Angebot auffindbar und stimmt es auf die einzelne Person ab. Darin liegt ihr Beitrag zu Engagement und Leistung.
Was ist eine Learning Experience Platform (LXP)?
Eine Learning Experience Platform (LXP) ist eine Lernplattform für Unternehmen, die Inhalte aus internen und externen Quellen bündelt und jeder beschäftigten Person mit Hilfe künstlicher Intelligenz passende Inhalte empfiehlt. Anbieter betreiben sie meist als Software as a Service, also als Mietsoftware, die im Browser läuft.
Den Begriff prägte der US-Branchenanalyst Josh Bersin. Er beschreibt die LXP als Antwort auf ein Suchproblem: In klassischen Unternehmenssystemen finden Beschäftigte die Lerninhalte nicht, die sie gerade brauchen. Eine LXP sieht deshalb eher aus wie YouTube oder Netflix als wie ein Kurskatalog. Zu den typischen Funktionen gehören:
- Empfehlungen, die sich nach Aktivität, gesetzten Zielen und Rolle einer Person richten
- kuratierte Inhalte externer Anbieter wie LinkedIn Learning oder Coursera neben den eigenen Kursen des Unternehmens
- Beiträge und Lektionen, die Beschäftigte selbst anlegen und mit anderen teilen
- soziales Lernen, bei dem Kolleginnen und Kollegen einander folgen und Wissen austauschen
- Spielelemente wie Abzeichen und Ranglisten, im Fachbegriff Gamification genannt
- Auswertungen zum Lernfortschritt einzelner Personen und ganzer Teams
Worin unterscheidet sich eine LXP von einem LMS?
Eine LXP unterscheidet sich von einem Learning Management System (LMS) vor allem darin, wer das Lernen steuert. Im LMS weist die Personal- oder Weiterbildungsabteilung Kurse zu und dokumentiert Pflichtschulungen. In der LXP wählen die Beschäftigten selbst aus, und die Plattform schlägt passende Inhalte vor.
Josh Bersin schreibt, LMS seien nie auf die Beschäftigten ausgerichtet gewesen. Sie seien als Verwaltungssysteme für Geschäftsregeln, Compliance und Kurskataloge entstanden. Compliance bedeutet hier die Einhaltung gesetzlicher und interner Vorgaben, etwa die jährliche Unterweisung im Arbeitsschutz.
| Merkmal | Learning Management System (LMS) | Learning Experience Platform (LXP) |
|---|---|---|
| Steuerung | Die Personal- oder Weiterbildungsabteilung weist Kurse zu | Die Beschäftigten wählen selbst, die Plattform schlägt vor |
| Inhalte | Geschlossener Katalog, von Administratoren gepflegt | Eigene Kurse, externe Anbieter und Beiträge von Beschäftigten |
| Typischer Zweck | Pflichtschulungen, Nachweise, Zertifikate | Weiterentwicklung, Wissensaustausch, Lernen bei Bedarf |
| Lernweg | Vorgegebener Lehrplan | Persönlicher Lernpfad nach Rolle, Zielen und Interessen |
| Auswertung | Teilnahme und Abschluss je Kurs | Nutzung, Interessen und Fortschritt über viele Quellen |
Beide Systeme schließen sich nicht aus. Bersin ordnet dem LMS die Compliance und die Geschäftsregeln zu und der LXP das Auffinden von Inhalten, sodass ein Unternehmen beide nebeneinander betreiben und miteinander verbinden kann.
Wie viel investieren Unternehmen in Deutschland in Weiterbildung und digitales Lernen?
Unternehmen in Deutschland investierten 2022 im Schnitt 1.347 Euro und 20,3 Stunden je Beschäftigtem in Weiterbildung, zusammen 46,4 Milliarden Euro. Das ergab die IW-Weiterbildungserhebung 2023 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), an der sich 953 Unternehmen beteiligt haben.
Digitale Lernformen sind dabei längst Alltag. Die folgenden Werte beziehen sich, wo angegeben, auf die weiterbildungsaktiven Unternehmen, also auf die Betriebe, die überhaupt Weiterbildung anbieten.
| Kennzahl | Wert | Quelle und Stand |
|---|---|---|
| Unternehmen mit betrieblicher Weiterbildung | 93,0 Prozent | IW-Weiterbildungserhebung 2023, Jahr 2022 |
| Investition je Beschäftigtem | 1.347 Euro | IW-Weiterbildungserhebung 2023, Jahr 2022 |
| Weiterbildungsstunden je Beschäftigtem | 20,3 Stunden | IW-Weiterbildungserhebung 2023, Jahr 2022 |
| Weiterbildungsaktive Unternehmen mit interaktivem webbasiertem Lernen | 90,5 Prozent | IW-Weiterbildungserhebung 2023, Jahr 2022 |
| Weiterbildungsaktive Unternehmen mit Lernvideos, Podcasts oder Audiomodulen | 74,0 Prozent | IW-Weiterbildungserhebung 2023, Jahr 2022 |
| Weiterbildungsaktive Unternehmen mit Lernen auf mobilen Geräten, etwa über Apps | 57,7 Prozent | IW-Weiterbildungserhebung 2023, Jahr 2022 |
| Weiterbildungsaktive Unternehmen mit firmeninterner Lernplattform, Wiki oder Forum | 50,0 Prozent | IW-Weiterbildungserhebung 2023, Jahr 2022 |
| Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung | 10 Prozent | Gallup Engagement Index Deutschland 2025 |
| Beschäftigte ohne emotionale Bindung | 13 Prozent | Gallup Engagement Index Deutschland 2025 |
Zeitmangel bremst die Weiterbildung in 62 Prozent der Unternehmen
Die größten Hindernisse für mehr Weiterbildung liegen laut IW nicht beim Geld. 62,2 Prozent der weiterbildungsaktiven Unternehmen fehlt die Zeit, Beschäftigte für weitere Kurse freizustellen. 56,0 Prozent fehlen interne Kapazitäten, um Weiterbildung zu organisieren und zu planen. Und 52,9 Prozent sehen ein geringes Interesse der Beschäftigten, 8 Prozentpunkte mehr als 2019.
An allen drei Punkten kann eine LXP ansetzen. Kurze Lerneinheiten passen in einen vollen Arbeitstag, Selbstbedienung entlastet die Organisation, und Empfehlungen nach Rolle und Interesse sprechen Beschäftigte gezielter an als ein allgemeiner Katalog. Eine Freistellung ersetzt die Plattform allerdings nicht: 2022 fanden nach dem IW 81,2 Prozent der betrieblichen Weiterbildungszeit während der Arbeitszeit statt.
Warum Unternehmen für das Lernen ihrer Beschäftigten bezahlen
Betriebliche Weiterbildung kostet das Unternehmen Geld und Arbeitszeit. Von den 1.347 Euro je Beschäftigtem entfielen 2022 nach dem IW 708 Euro auf direkte Kosten wie Trainer, Teilnahmegebühren und Lernmaterial und 639 Euro auf die bezahlte Arbeitszeit, in der Beschäftigte lernten. Arbeitgeber tragen das, weil sie neue Kompetenzen brauchen. Das IW nennt den digitalen Wandel und die Dekarbonisierung als Treiber des Weiterbildungsbedarfs, besonders in der Industrie. Hinzu kommt die Bindung: Emotional hoch gebundene Beschäftigte fehlen nach Gallup 41 Prozent seltener als Beschäftigte ohne Bindung.
Wie verbessert eine LXP das Onboarding neuer Mitarbeiter?
Onboarding heißt die Einarbeitung neuer Beschäftigter, von den ersten Zugängen bis zur selbstständigen Arbeit in der neuen Rolle. Ein überarbeiteter Einarbeitungsprozess kann das Engagement neuer Mitarbeiter und ihre Bindung an Ihr Unternehmen deutlich verbessern.
Eine Lernplattform strafft und personalisiert das Onboarding. Neue Beschäftigte starten dadurch vorbereitet und lernen die Unternehmenskultur kennen. Rollenspezifische Schulungen und Unterlagen ab dem ersten Tag verkürzen die Zeit, bis eine neue Kraft produktiv arbeitet. Interaktive und gemeinsame Lernelemente schaffen außerdem Kontakt zum Team, und so gelingt der Übergang in das neue Unternehmen reibungsloser.
Interaktive Schulungsmodule mit sofortigem Feedback
Interaktive Schulungsmodule binden Lernende mit praktischen Übungen und Simulationen ein und helfen ihnen, das Gelernte zu behalten. Die Module geben sofort Rückmeldung. Lernende korrigieren Fehler direkt und vertiefen ihr Wissen in dem Moment, in dem die Frage auftaucht.
Passt das Unternehmen die Module an Aufgaben und Vorwissen der Beschäftigten an, bleibt die Schulung für jede Person relevant. Videos, Quizfragen und interaktive Szenarien machen aus einem Modul eine Übung, die fesselt und zugleich lehrt.
Personalisierte Lernpfade für neue Mitarbeiter
Ein Lernpfad ist eine geordnete Folge von Lerninhalten, die zu einem festgelegten Ziel führt, zum Beispiel zur ersten eigenständigen Kundenberatung. Maßgeschneiderte Lernpfade gehen auf die Fähigkeiten und Wissenslücken der einzelnen neuen Person ein. Sie liefern Inhalte, die zur Rolle und zu den Karrierewünschen passen, und stärken so Engagement und Bindung an das Unternehmen.
Der Wechsel in die neue Rolle fällt leichter, die Zeit bis zur Produktivität sinkt, und die Arbeitszufriedenheit kann steigen. Mit Nutzungs- und Fortschrittsdaten passen Lernplattformen diese Pfade laufend an, damit sich neue Beschäftigte kontinuierlich weiterentwickeln. Wie KI den Onboarding-Prozess optimiert, hängt dabei stark davon ab, welche rollenspezifischen Inhalte ein Unternehmen in der Plattform hinterlegt. Eine solche Lernumgebung unterstützt den Einstieg und zahlt auf den langfristigen Erfolg ein.
Wie unterstützt eine LXP das kontinuierliche Lernen im Arbeitsalltag?
Eine Learning Experience Platform (LXP) unterstützt kontinuierliches Lernen, indem sie Inhalte passend zu individuellen Lernpfaden und Vorlieben empfiehlt. Beschäftigte teilen dort Erkenntnisse, diskutieren Themen und tauschen Wissen in der Gemeinschaft der Plattform aus. Fachleute nennen das soziales Lernen.
Mit Auswertungen erkennt eine LXP Qualifikationslücken und schlägt passende Lernressourcen vor, damit Beschäftigte bei Branchentrends und Fachwissen auf dem aktuellen Stand bleiben. Außerdem lässt sich die Plattform mit verschiedenen Inhaltsanbietern und Lernmanagementsystemen verbinden. Das erleichtert es Unternehmen, unterschiedliche Lernmaterialien zu erstellen und bereitzustellen.
Microlearning passt Lernen in volle Terminkalender
Microlearning bedeutet Lernen in kurzen, in sich abgeschlossenen Einheiten, die sich zwischen zwei Aufgaben bearbeiten lassen. Für Unternehmen, denen die Zeit für Freistellungen fehlt, ist das die naheliegende Form:
- Kurze, konzentrierte Lerneinheiten passen in einen vollen Terminkalender und sollen helfen, Wissen zu behalten und im Alltag anzuwenden.
- Unternehmen stellen damit Schulungen genau dann bereit, wenn sie gebraucht werden, und zwar auf Computer, Tablet und Smartphone.
- Die Module lassen sich auf bestimmte Qualifikationslücken und Lernvorlieben zuschneiden, was das Lernen persönlicher und wirksamer macht.
- Microlearning kann Engagement und Motivation der Beschäftigten spürbar erhöhen und damit Leistung und Produktivität im ganzen Unternehmen verbessern.
Wie verbreitet solche Formate schon sind, zeigt die IW-Erhebung: 57,7 Prozent der weiterbildungsaktiven Unternehmen nutzten 2022 Lernen auf mobilen Geräten, zum Beispiel über Weiterbildungsapps.
KI-gesteuerte Inhaltsempfehlungen
KI-gesteuerte Inhaltsempfehlungen passen Lernpfade genauer an die einzelnen Beschäftigten an und fördern so Engagement und Wissensbindung. Die künstliche Intelligenz wertet Nutzungsverhalten und Vorlieben einer Person aus und schlägt ihr die Inhalte vor, die zu ihren Aufgaben am besten passen.
Personalverantwortliche sparen dadurch Zeit, weil sie personalisierte Lernmaterialien nicht mehr einzeln zusammenstellen. KI-gestützte Auswertungen liefern zudem eine Datengrundlage für Entscheidungen, mit der Unternehmen ihre Schulungsprogramme laufend verbessern und die Zufriedenheit der Lernenden erhöhen. Lernplattformen dieser Art gehören zur Software, mit der Unternehmen ihre Personalentwicklung organisieren.
Wie personalisiert eine LXP die Lernerfahrung?
Eine LXP personalisiert die Lernerfahrung, indem sie Inhalte, Schwierigkeitsgrad und Format nach Rolle, Vorwissen und Lernfortschritt einer Person auswählt. Zwei Beschäftigte desselben Unternehmens sehen deshalb unterschiedliche Empfehlungen, obwohl sie auf dieselbe Bibliothek zugreifen.
Viele Plattformen bieten dafür Lernpfade, die auf individuelle Lernstile zugeschnitten sein sollen. Sie kombinieren Multimedia-Elemente, um verschiedene Lerntypen anzusprechen:
- Videos für visuell orientierte Lernende
- interaktive Simulationen für Lernende, die über das Handeln lernen, im Fachbegriff kinästhetisch
- schriftliche Inhalte und Audio für Lernende, die lesen oder zuhören wollen
Die Einteilung in feste Lerntypen gilt in der Bildungsforschung allerdings als nicht belegt. Das Deutsche Schulportal fasst die Studienlage 2025 so zusammen, dass Unterricht nach Lerntypen den Lernerfolg nicht verbessert. Empfohlen wird stattdessen, einen Stoff je nach Inhalt über mehrere Sinne zu vermitteln, etwa Bild und erklärenden Text zusammen. Die Vielfalt der Formate in einer LXP bleibt deshalb nützlich, nur ihr Grund ist ein anderer: Manche Inhalte lassen sich besser zeigen als beschreiben, etwa ein Handgriff an einer Maschine.
Mit adaptiven Lerntechnologien, die sich während der Nutzung selbst anpassen, stimmt eine LXP den Schwierigkeitsgrad und die Art der Inhalte auf Fortschritt und Rückmeldungen der lernenden Person ab. Das soll das Lernen wirksamer und effizienter machen. Bewertungsinstrumente und Feedback-Funktionen zeigen außerdem die Stärken und Schwächen jeder Person, sodass die Plattform darauf eingehen kann. So entsteht eine Lernumgebung, die unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt und Lernende unterstützt.
Multimedia-Formate von Video bis Virtual Reality
Verschiedene Multimedia-Formate wie Videos, Podcasts und interaktive Module bereichern das Lernerlebnis der Beschäftigten. 74,0 Prozent der weiterbildungsaktiven Unternehmen setzten 2022 nach der IW-Erhebung Lernvideos, Podcasts oder Audiomodule ein. Infografiken, Animationen und Simulationen sprechen unterschiedliche Vorlieben an und steigern das Engagement.
Text mit Diagrammen und Schaubildern macht komplexe Informationen zugänglicher und leichter verständlich. Beispiele aus der Praxis in Form von Fallstudien und Szenarien in Virtual Reality, also in einer computererzeugten dreidimensionalen Umgebung, die Lernende mit einer Datenbrille betreten, schaffen zudem ein Lernerlebnis zum Eintauchen. Solche Szenarien sollen das Behalten des Wissens erleichtern.
Selbststudium und angeleitetes Lernen im Vergleich
Eine Mischung aus Selbststudium und angeleitetem Lernen kann Engagement und Leistung der Beschäftigten deutlich steigern. Beide Formen haben unterschiedliche Stärken:
| Merkmal | Selbststudium | Angeleitetes Lernen |
|---|---|---|
| Tempo | Eigenes Tempo, zeitlich flexibel | Feste Termine und Sitzungen |
| Unterstützung | Fördert Unabhängigkeit und kritisches Denken | Strukturierte Inhalte und Unterstützung durch Fachleute |
| Rückmeldung | Über Tests und Feedback-Funktionen der Plattform | Sofort durch Trainer und Gruppe |
| Zusammenarbeit | Vor allem allein | Fördert die Zusammenarbeit |
| Kosten | Oft günstiger und leichter zugänglich | Investitionen in Ausbilder und geplante Sitzungen |
Ob Selbststudium oder angeleitetes Lernen besser passt, hängt von den Vorlieben und Zielen der lernenden Person und von der Komplexität des Stoffs ab. Eine LXP kann beide Formen verbinden, etwa wenn ein Selbstlernkurs auf ein Seminar vorbereitet.
Welche Einstellungen braucht eine konfigurierbare LXP?
Eine konfigurierbare LXP lässt sich an Rollen, Inhaltsquellen und Auswertungsregeln des eigenen Unternehmens anpassen, statt alle Beschäftigten gleich zu behandeln. Vor dem Kauf sollten Sie mit dem Anbieter 6 Punkte klären:
- Welche externen Inhaltsanbieter und welches vorhandene LMS lassen sich anbinden?
- Lassen sich Lernpfade je Rolle, Abteilung oder Standort anlegen und pflegen?
- Kann das Unternehmen die Empfehlungen beeinflussen, etwa Pflichtinhalte vor freiwilligen Inhalten zeigen?
- Unterstützt die Plattform xAPI? Die Experience API ist ein Datenformat, das Lernaktivitäten aus verschiedenen Anwendungen in einem Learning Record Store sammelt, einer Datenbank nur für Lerndaten. Seit dem 6. Oktober 2023 ist sie als Norm IEEE 9274.1.1 veröffentlicht.
- Welche Daten speichert die Plattform je Person, und lassen sich personenbezogene Auswertungen abschalten oder auf Teams zusammenfassen?
- Wo und nach welchen Regeln verarbeitet der Anbieter die Lerndaten, die als personenbezogene Daten unter die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) fallen?
Welche Daten die Plattform je Person speichert, bestimmt auch den Zeitplan der Einführung, denn davon hängt die Mitbestimmung des Betriebsrats ab.
Was zeigen Lernanalysen, und was darf ein Unternehmen auswerten?
Lernanalysen zeigen, wie weit Beschäftigte in ihren Schulungen sind, welche Inhalte sie nutzen und wo sie abbrechen. Mit dieser Leistungsverfolgung innerhalb einer Lernplattform überwachen Unternehmen Fortschritt und Ergebnisse in Echtzeit.
Analysetools geben Einblick in das Lernverhalten und helfen, personalisierte Lernpfade zu erstellen. Wer Fortschrittsdaten und Auswertungen verbindet, kann die Wirksamkeit seiner Schulungsprogramme verbessern. Dieser datengestützte Ansatz schärft Lerninhalte und Methoden laufend nach, damit Schulungen relevant und wirkungsvoll bleiben.
Datengestützte Entscheidungen für die Mitarbeiterentwicklung
Mit Daten erkennen Unternehmen Qualifikationslücken und stellen gezielte Entwicklungspläne für ihre Beschäftigten auf. Datenanalysen in der Mitarbeiterentwicklung helfen, Lernerfahrungen zu personalisieren und Fortschritte wirksam zu verfolgen.
Personalabteilungen treffen so fundierte Entscheidungen über Schulungsprogramme und darüber, wohin Budget und Zeit fließen. Die Bedeutung von HR-Analytics für das Personalmanagement liegt darin, solche Entscheidungen auf Daten zu stützen statt auf Eindrücke. Die Erkenntnisse zeichnen ein klares Bild der Leistung und fördern eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung.
Lernanalysen brauchen die Mitbestimmung des Betriebsrats
Sobald eine LXP Lernaktivitäten einzelnen Beschäftigten zuordnet, greift in Betrieben mit Betriebsrat dessen Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG, dem Betriebsverfassungsgesetz. Die Vorschrift erfasst technische Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen.
Das Bundesarbeitsgericht legt das weit aus. Nach seinem Beschluss vom 8. März 2022 (1 ABR 20/21) genügt es, dass eine Software objektiv geeignet ist, Verhaltens- oder Leistungsdaten zu erheben und aufzuzeichnen. Ob der Arbeitgeber tatsächlich überwachen will, spielt keine Rolle. Einigen sich Arbeitgeber und Betriebsrat nicht, entscheidet nach § 87 Abs. 2 BetrVG die Einigungsstelle.
KI-Verordnung der EU
Die KI-Verordnung der EU führt in Anhang III KI-Systeme als hochriskant, die Lernergebnisse bewerten (Nr. 3 b) oder Leistung und Verhalten von Beschäftigten überwachen und bewerten (Nr. 4 b). Die Pflichten für solche Systeme gelten nach der Änderung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 frühestens ab dem 2. Dezember 2027. Ob eine LXP darunter fällt, hängt vom Zweck ab, für den Anbieter und Unternehmen ihre KI-Funktionen einsetzen.
Wie führen Sie eine LXP in 5 Stufen ein?
Eine LXP führen Sie in 5 Stufen ein, damit Lernziel, Datenfragen und Mitbestimmung geklärt sind, bevor die ganze Belegschaft die Plattform nutzt. Jede Stufe baut auf der vorigen auf.
- Lernziel festlegen. Bestimmen Sie, welche Kompetenzen zuerst wachsen sollen und für welche Gruppe, zum Beispiel für neue Beschäftigte im Onboarding.
- Bestand prüfen. Listen Sie vorhandene Kurse, das bestehende LMS und laufende Lizenzen externer Anbieter auf, damit die LXP an sie anknüpft.
- Betriebsrat und Datenschutz einbinden. Klären Sie vor dem Start, welche Daten die Plattform je Person auswertet, und halten Sie das in einer Betriebsvereinbarung fest.
- Mit einer Pilotgruppe starten. Planen Sie feste Lernzeiten ein, denn fehlende Zeit ist das häufigste Hindernis für Weiterbildung.
- Auswerten und nachsteuern. Vergleichen Sie Nutzung, Abschlüsse und Rückmeldungen der Pilotgruppe und passen Sie Lernpfade an, bevor Sie die Plattform ausrollen.
Häufige Fragen zu Learning Experience Platforms
Was ist eine LXP?
Eine LXP, ausgeschrieben Learning Experience Platform, ist eine Lernplattform für Unternehmen, die Inhalte aus vielen Quellen bündelt und jeder beschäftigten Person passende Inhalte empfiehlt. Den Begriff prägte der US-Branchenanalyst Josh Bersin. Anders als ein Learning Management System stellt eine LXP das selbstgesteuerte Lernen in den Mittelpunkt.
Ersetzt eine LXP das Learning Management System?
Eine LXP muss ein Learning Management System (LMS) nicht ersetzen. Das LMS verwaltet Pflichtschulungen, Nachweise und Kurskataloge, die LXP hilft beim Finden und Empfehlen von Inhalten. Ein Unternehmen kann beide Systeme nebeneinander betreiben und miteinander verbinden.
Was bedeutet personalisierte Lernerfahrung in einer LXP?
Eine personalisierte Lernerfahrung bedeutet in einer LXP, dass die Plattform Inhalte nach Rolle, Zielen, Vorwissen und bisherigem Lernverhalten einer Person auswählt. Zwei Beschäftigte desselben Unternehmens sehen deshalb unterschiedliche Empfehlungen. Grundlage sind Nutzungs- und Fortschrittsdaten, weshalb vor der Einführung feststehen sollte, welche Daten die LXP speichert.
Braucht die Einführung einer LXP die Zustimmung des Betriebsrats?
Die Einführung einer LXP unterliegt in Betrieben mit Betriebsrat dessen Mitbestimmung, sobald die Plattform Lernaktivitäten einzelnen Beschäftigten zuordnen kann. Grundlage ist § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Nach dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 8. März 2022 (1 ABR 20/21) reicht die objektive Eignung der Software zur Überwachung, eine Überwachungsabsicht ist nicht nötig.
Was ist Microlearning in einer LXP?
Microlearning in einer LXP ist Lernen in kurzen, abgeschlossenen Einheiten, die Beschäftigte zwischen zwei Aufgaben am Computer oder Smartphone bearbeiten. Die Form passt zu einem häufigen Hindernis für Weiterbildung: In der IW-Weiterbildungserhebung 2023 nannten 62,2 Prozent der weiterbildungsaktiven Unternehmen fehlende Zeit für weitere Freistellungen.
Wie viel geben Unternehmen in Deutschland für Weiterbildung aus?
Unternehmen in Deutschland gaben 2022 im Schnitt 1.347 Euro je Beschäftigtem für Weiterbildung aus, insgesamt 46,4 Milliarden Euro. Das ergab die IW-Weiterbildungserhebung 2023 des Instituts der deutschen Wirtschaft. Jede beschäftigte Person verbrachte im Schnitt 20,3 Stunden in betrieblicher Weiterbildung.
Was eine LXP für Engagement und Leistung bewirken kann
Eine Learning Experience Platform kann das Engagement und die Leistung der Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen steigern, wenn drei Bausteine zusammenkommen. Das Onboarding bekommt interaktive Schulungsmodule und personalisierte Lernpfade, sodass neue Beschäftigte vorbereitet starten und schneller in die Unternehmenskultur finden. Microlearning und KI-gesteuerte Empfehlungen machen das Lernen im Alltag effizienter und ansprechender. Und Fortschrittsdaten helfen, Schulungsprogramme an individuelle und betriebliche Bedürfnisse anzupassen.
Die Plattform ersetzt keine gute Führung, die nach Gallup die emotionale Bindung maßgeblich prägt. Wer mit einer Pilotgruppe im Onboarding beginnt und den Betriebsrat früh einbindet, sammelt eigene Nutzungsdaten, bevor er über den Einsatz im ganzen Unternehmen entscheidet.
Quellen
- Bericht zum Gallup Engagement Index Deutschland 2025, Gallup, abgerufen am 13. September 2026
- IW-Weiterbildungserhebung 2023: Investitionsvolumen auf Höchststand (IW-Trends 2/2024), Institut der deutschen Wirtschaft, abgerufen am 13. September 2026
- Learning Experience Platform (LXP) Market Grows Up: Now Too Big To Ignore, Josh Bersin, abgerufen am 13. September 2026
- What is a learning experience platform (LXP)?, TechTarget, abgerufen am 13. September 2026
- § 87 Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungsrechte, Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 13. September 2026
- Beschluss 1 ABR 20/21 vom 8. März 2022, Bundesarbeitsgericht, abgerufen am 13. September 2026
- Digital Omnibus on AI: Verordnung (EU) 2026/1744, KPMG Österreich, abgerufen am 13. September 2026
- Studie: Der Lerntypen-Mythos und seine Folgen, Deutsches Schulportal, abgerufen am 13. September 2026
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